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Besondere Situationen

Out oder nicht out?

Die Frage nach "in" und "out" stellt sich für Lesben und Schwule anders als für Fashion-Junkies. Gemeint ist "in" oder "out of the closet" - versteckt oder offen homosexuell fühlen und leben. In einer Partnerschaft kann die Frage "Zeigen wir öffentlich, dass wir ein Paar sind?" sogar eine echte Zerreißprobe sein.

Out oder nicht out?

Coming-out bei gayParship

Eine Partnersuche bei gayParship hat den großen Vorteil, dass sie zunächst anonym erfolgt. Auch die ersten E-Mails, Telefonate und sogar die Treffen muss niemand aus deiner Umgebung mitbekommen. So angenehm es ist, nicht sozusagen unter aller Augen eine neue Liebe suchen zu müssen, so ist doch bei einer ernst gemeinten Suche irgendwann der Punkt erreicht, an dem du dich der Frage stellen musst, wie weit du zu deiner Parterin/deinem Partner stehst. Was, wenn der andere sein Coming-out ganz anders lebt als du dir das vorstellst? Wenn sie/er eine Beziehung versteckt leben möchte und nicht Hand in Hand oder küssend mit dir in der Öffentlichkeit gesehen werden möchte? Oder andersherum: wenn du dir Diskretion wünschst oder diese gar beruflich braucst, deineParterin/dein Partner hingegen ihre/seine Liebe öffentlich bekunden möchte?

Individuelle Entscheidung

Fragen wie diese solltet ihr miteinander besprechen. Hier ist es wichtig, persönliche Ängste zuzugeben, berufliche Schwierigkeiten anzusprechen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Vielleicht triffst du ja auch auf jemanden, die/der noch nicht geoutet lebt, sich aber letztlich eine Hilfestellung wünscht, den Mut dazu zu finden? gayParship-Psychologin Nicole Schiller betont, dass die Entscheidung "out oder nicht out" eine ganz individuelle ist: "Hier gibt es kein generelles 'besser' oder 'schlechter', sondern jeder homosexuelle Mensch trifft - im Zusammenhang mit seinem sonstigen Leben - eine ganz persönliche Entscheidung, und es kann in beiden Fällen für ihn selbst ganz stimmig sein."

Schwierige Grundfrage

Die Reaktionen der Umwelt auf dein Coming-out gehören zu den entscheidendsten Erfahrungen, die du als Lesbe oder Schwuler, egal welchen Alters, in deinem Leben machst. Entsprechend schwer fällt oft die Entscheidung: Oute ich mich oder nicht? Vielleicht steht bei dir sogar die berufliche Existenz auf dem Spiel, beispielsweise bei kirchlichen Arbeitgebern. Oder du sorgst dich, dass deine Familie oder dein Freundeskreis dich ablehnen könnten. Andererseits kann es sehr befreiend sein, wenn du öffentlich zu deiner Homosexualität stehst. Etwas zu verheimlichen bedeutet auch immer, in Angst davor zu leben, dass das Geheimnis herauskommt. Nicole Schiller weist darauf hin, dass "Geheimhaltung generell dann zu Stress wird, wenn man eigentlich gerne offen wäre, sich dies jedoch aus irgendeinem Grund verbietet. Gerade wenn nicht einmal nahestehende Personen davon erfahren dürfen, kann dies sehr belastend sein. Mit der Homosexualität gehen ja oft auch andere Fragen einher, nicht zuletzt die Partnersuche, die dann auch im vertrauten Kreis nicht besprochen werden können. Eine ständige Geheimhaltung kann auch im Nachhinein für Familie und enge Freunde kränkend sein, weil sie nicht ins Vertrauen gezogen wurden."

Nicht nur "Ganz oder gar nicht"

Die Frage nach dem Umgang mit der eigenen Homosexualität gegenüber anderen hat oft jedoch noch mehr Nuancen. Dazu stimmen Innen- und Außensicht nicht immer überein. Und auch wenn zwei Personen sich gleichermaßen als geoutet bezeichnen würden, ist damit längst noch nicht alles klar: Sie können ganz unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie sie von anderen wahrgenommen werden möchten. Vielleicht empfindet einer schon einen Kuss zwischen zwei Frauen oder zwei Männern in der Öffentlichkeit als unnötige Provokation? Ein anderer möchte sich selbst am liebsten jedem mit: "Guten Tag, ich heiße soundso und bin lesbisch/schwul!" vorstellen? Möchtest du deiner Großtante Bertha auf deren 80. Geburtstag nicht unbedingt deine Liebste/deinen Liebsten als Tischnachbarn präsentieren? Oder wärt du verletzt, wenn deine Parterin/dein Partner dich irgendwo verheimlichen wollte? Gerade bei beruflichen Terminen, Familienfesten und kirchlichen Feiern kann es sehr unterschiedliche Bedürfnisse und Ängste geben.

Wann spricht man das an?

Das heißt natürlich nicht, dass du schon beim ersten Treffen klären musst, wie du auf der Firmung deiner Nichte in zwei Jahren auftreten möchtest. In einer Beziehung werden ohnehin immer wieder Kompromisse nötig sein. Aber die grundsätzliche Haltung zum Out-Sein sollte schon zusammenpassen. In den meisten Fällen wird schließlich der eine Partner durch das Outing des anderen gleich mitgeoutet. Ob du diese Frage gleich bei der Kontaktaufnahme thematisierst, vor dem ersten Treffen oder erst, wenn das erste Problem auftaucht, hängt ganz von deinen Prioritäten ab. Je wichtiger dir die Einhaltung bestimmter Voraussetzungen ist, desto eher wirst du sie ansprechen müssen. So kann es zum Beispiel nötig sein, schon vor dem ersten Treffen zu klären, ob dieses in einer Szene-Location stattfinden soll (auf der nächsten Homoparty vielleicht?) oder ob ein eindeutiges Erkennungszeichen (wie eine rote Rose) vereinbart wird. Andere Fragen wiederum werden erst im Laufe der Beziehung auftauchen und müssen dann verhandelt werden. In einer liebevollen Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse des anderen, gegenseitigem Respekt und, wenn nötig, einer ehrlichen Auseinandersetzung lassen sich solche Probleme aber sicherlich lösen.

Und in meinem Profil?

Wenn es für dich wichtige Vorgaben gibt, die eine potenzielle Partnerin/ein potenzieller Partner auf jeden Fall erfüllen sollte, kannst du diese auch schon in deinem Profil formulieren. Etwa: "Ich möchte dich ganz stolz als meine Liebe vorstellen können. Du solltest also möglichst geoutet leben." Oder: "Leider darf mein Arbeitgeber nichts von meiner Homosexualität wissen - ich hoffe, du kannst darauf Rücksicht nehmen." Denk aber daran, dass du mit solchen klaren Ansagen andere auch verschrecken könntest. Schreib also nur das in dein "Ich über mich", was für dich wirklich unabdingbar ist. Denn, so gayParship-Psychologin Nicole Schiller: "Letztlich zählt zunächst die Verliebtheit bzw. die beginnende Beziehung - das Thema Outing kann das Paar dann immer noch für sich besprechen."

Unsere Autorin Susanne Frieters ist mit ihrer Partnerin verheiratet und begleitet als freie Theologin auch andere Paare auf diesem Weg.

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