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Besondere Situationen

Gentleman Butch sucht High Femme

Wir haben es doch nicht nötig, uns in Geschlechterrollen pressen zu lassen und das Patriarchat zu imitieren, oder? Unsere Autorin Susanne Frieters jedenfalls plädiert für mehr Vielfalt im lesbischen Leben.

Gentleman Butch sucht High Femme

Politisch korrekt?

Chris ist eine Gentleman Butch, wie sie im Buche steht. Stets korrekt gekleidet, höflich, stilvoll und elegant hat sie immer ein Auge auf das Wohlergehen jeder Frau in ihrer Umgebung. Niemals entgeht ihr ein leeres Glas, eine unangezündete Zigarette oder eine verschlossene Tür. Sie sorgt dafür, dass jede Tänzerin in ihren Armen gut aussieht, und über ihre Eroberungen schweigt sie diskret. Ihr Herz verliert sie nur an eine echte Lady. Cornelia ist eine solche Lady. Ein eleganter Hosenanzug ist das Maskulinste, was sie jemals tragen würde. Sie hat Stil, Kultur und Bildung, weiß sich zu benehmen und erwartet das auch von ihrem Gegenüber. Auf den ersten Blick könnte man sie für eine Hetera halten - bis ihr eigener Blick auf eine schöne Butch fällt. Dann lässt sie keinen Zweifel daran, wem sie zutraut, sie auf der Tanzfläche führen zu können.

Bei solchen Beschreibungen stehen der einen vor Entsetzen die Haare zu Berge, die andere hat eher Gänsehaut vor Entzücken. Die Renaissance des Butch/Femme-Konzepts auch in der deutschen Lesbenszene wurde oft beschrieben, beklagt, bejubelt - aber hat sie überhaupt stattgefunden?

Ausgestorben oder auferstanden?

Meine Frau ist einmal auf einem schwul-lesbischen Standfest vor zwei oder drei Jahren für eine Tunte gehalten worden. Wirklich! Ich habe das noch vor Augen: Sie geht an den Stand der Tuntentruppe, die gerade eine phantastische Show hingelegt hatte, und fragt nach einem Anstecker. Da schaut die andere ihr erst ins Gesicht und macht ihr ein nettes Kompliment zu ihrem Make-up, dann wandern ihre Blicke tiefer, und sie sagt: "Die sind aber gut geworden". Wir haben eine Weile gebraucht, um zu sortieren, was an diesem Dialog so merkwürdig war ... Meine Frau wirkt übrigens keineswegs männlich, im Gegenteil! Sie war (wie fast immer) nett geschminkt, trug Schmuck, ein buntes Sommerkleid und etwas höhere Schuhe. Das tut sie meistens. Und damit fiel sie dermaßen aus dem Rahmen der städtischen Standard-Lesbe, dass sie nur noch als Tunte in die schwul-lesbische Community einzuordnen war. Von einem Comeback der Femme konnte da also keine Rede sein.

Ich finde das schade. Auch als Lesbe. Auch als Feministin. Stil und Verführung, Benimm und Kultur, der vorsichtige oder leidenschaftliche Tanz der Gegensätze, das Bewusstsein der eigenen Erotik und die Sehnsucht nach einer Partnerin, die mir wirklich entspricht - wenn ich diese Elemente in lesbischer Kultur wahrnehme, dann gehe ich gleich aufrechter und lächele.

Und bei gayParship?

Träumen Sie selbst von einer stilvollen Butch oder einer erotischen Femme? Oder sind Sie eine? Wenn Ihnen diese Kultur wichtig ist und Sie sich aus der Masse abheben wollen, dann trauen Sie sich doch, dies auch auszusprechen. "Gentleman Butch sucht High Femme" klingt jedenfalls interessanter als "Ich (maskuliner Typ) suche dich (eher feminin)." Dann sollten Sie allerdings auch halten können, was Sie versprechen - wie bei jeder Selbstbeschreibung. Spätestens beim ersten Treffen wird sich herausstellen, ob Stil, Kultur und Aufmerksamkeit den Erwartungen entsprechen. Ob Sie sich dann gerade deswegen oder trotzdem verlieben, steht ohnehin auf einem anderen Blatt.

Kann eine Femme nur mit einer Butch glücklich werden?

Ob Sie nun unbedingt Ihr genaues Gegenstück auf der Butch-Femme-Skala finden müssen oder möchten, bleibt natürlich Ihnen überlassen. Klischees und Rollen sind dazu da, dass wir sie hinterfragen und mit ihnen spielen. Lassen Sie sich nicht einschränken, nicht in Ihrem Selbstverständnis und auch nicht in Ihrem Begehren. Zwei Butches können sich durchaus gegenseitig jeden Wunsch von den Augen ablesen und zwei Femmes eine Verständnisebene erreichen, von der andere Paare nur träumen können. Und wenn es sein muss, kann die Butch-Femme-Kultur selbst aus einer Ablehnung noch ein Kompliment machen. Trauen Sie sich!

Susanne Frieters/gayParship

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