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Besondere Situationen

Die schwul-lesbische Angst vor Nähe

Angst ist einer der großen Beziehungskiller. Obwohl über 70 Prozent der Lesben und Schwulen über 30 sich eine langfristige Partnerschaft wünschen, bangen sie gleichzeitig: Ab jetzt nur noch alles gemeinsam ...?!

Die schwul-lesbische Angst vor Nähe

"Alles hat prima angefangen", erklärt Mario (36) aus Hamburg. "Wir verstanden uns hervorragend und unternahmen die ersten Monate alles zusammen. Doch dann hatte ich das Gefühl, kein eigenständiges Wesen mehr zu sein. Ich musste einfach wieder raus, andere Männer sehen." Marios Beziehung wäre beinahe zerbrochen, bevor sie richtig begonnen hatte. Der Grund: Nach dreijährigem Singledasein versetzte die plötzliche Überdosis Nähe Mario in Panik. Bei Susanne (41) aus Berlin war das genau andersherum: Ihre neue Freundin zog sich von einem Tag auf den anderen zurück, bestand auf ihrem Freiraum und klagte, dass Susanne so furchtbar "kletten" würde. Was läuft da schief?

Große Erwartungen und Verweigerer

Viele Singles projizieren Glück und Unglück ihrer aktuellen Lebenssituation auf eine potenzielle Partnerschaft: "Wenn ich erst wieder eine Beziehung führe, wird es mir auch besser gehen", sagen häufig vor allem Menschen, die bereits länger auf der Suche sind. Die Gefahr hierbei ist, dass die Erwartungen nicht an die Beziehung, sondern an die Partnerin/den Partner immens werden. In der Folge fühlt sich die neue Liebe nach einer sehr intensiven Startphase schnell eingeengt und bedrängt. Ihr bleibt womöglich nur noch die Flucht oder der Rückzug.

Ein anderes Phänomen: die aktiven und die passiven Beziehungsverweigerer. Jeder hat vermutlich schon einmal nach einer euphorischen Kennenlernphase den niederschmetternden Kommentar gehört: "Weißt du, das ist toll, so wie es ist. Aber eine Beziehung möchte ich nicht." Bei einem solchen aktiven Beziehungsverweigerer weiß man zumindest, woran man ist. Anders bei den passiven Beziehungsverweigerern. Die sagen zwar, sie wünschten sich eine Beziehung, doch sie tun unbewusst alles, um diese zu verhindern. Beispielsweise, indem sie sich in kleine, oft auch nur scheinbare Fehler des Partners hineinsteigern.

Sich den Ängsten stellen

Jeder hat Angst vor Nähe, mancher mehr, mancher weniger. Zähneputzen während der Partner nebenan unter der Dusche steht, ist für einige die Erfüllung, für andere ein unerträglicher Eingriff in die Intimsphäre. Eine Diskussion darüber verletzt vor allem leicht die Partnerin/den Partner, die/der Nähe sucht. Denn aus ihrer/seiner Perspektive ist der Wunsch nach Freiraum häufig eine persönliche Zurückweisung. Wichtig ist, sich der eigenen Ängste vor zu viel Nähe bewusst zu werden und diese mit seinem Gegenüber offen anzusprechen. Nur so können Missverständnisse vermieden werden. Gerade zu Beginn einer Beziehung, wenn die gemeinsame Kommunikationsebene noch entwickelt wird, ist es wichtig, die eigenen Bedürfnisse an die Partnerschaft so zu formulieren, dass die neue Liebe dies nicht als Kritik an ihrer Person versteht.

Woher kommt's?

Jeder will einerseits seine Persönlichkeit entfalten und sich gleichzeitig geborgen fühlen. Diese Bedürfnisse auszubalancieren, ist ein entscheidender Faktor innerhalb einer Beziehung. Unsere Grundhaltung für den Umgang mit Nähe und Distanz wird in der Familie gelegt, von der wir Verhaltensmuster übernehmen. Kinder, die sich von ihren Eltern distanzieren, erleben als Reaktion darauf beispielsweise Stolz oder große Verunsicherung seitens der Eltern. Gerade negative Erfahrungen können sich problematisch auf Beziehungen im Erwachsenenalter auswirken. Viele Menschen suchen sich wegen solcher Bindungsprobleme einen Partner, der ihnen in einer Beziehung nun das geben soll, was sie bei sich selbst nicht finden können. Anfangs klappt das hervorragend, doch nach einer Weile entwickelt sich aus der anfänglichen Wertschätzung eine gegenseitige Abwertung. Extreme Gegensätze passen hierbei genauso wenig wie völlige Gleichheit, denn ohne Spannung wird eine Beziehung rasch als langweilig erlebt.

Entscheidend für eine Beziehung ist eine von beiden Partnern als ausgewogen empfundene Regulierung von Nähe und Distanz. Das spiegelt sich beispielsweise in der Art und Weise wider, wie das Paar mit dem Faktor Selbstständigkeit umgeht. Die Partner müssen sich sicher sein können, mit ihren individuellen Nähe- und Distanzwünschen respektiert zu werden. Wenn das nicht gelingt, droht nach einem euphorischen Start eine schnelle Trennung.

Eric Hegmann/gayParship

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