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Besondere Situationen

Die rosarote Brille zum Glück

Die/Der Neue ist "super" - anfangs. Wäre es nicht klasse, wir könnten diese erste Euphorie in den Beziehungsalltag hinüberretten? Die gute Nachricht: Es gibt Möglichkeiten, die rosarote Brille fürs Beziehungsglück positiv einzusetzen.

Die rosarote Brille zum Glück © Fotolia

Wenn Menschen sich ineinander verlieben, dann sehen sie meist nur die positiven Seiten des anderen. Mit der Zeit wird sich dieser Blickwinkel jedoch ändern, und häufig sehen wir statt der Dinge, in die wir uns verliebt haben, vor allem die Dinge, die uns stören. Wer diese Erfahrung häufig gemacht hat, sollte einmal einen Trick versuchen, den die amerikanische Beziehungsforscherin Sandra Murray (Sandra Murray: "The Benefits of Positive Illusions", 1996) als "positive Illusion" bezeichnet hat. Sie fand nämlich heraus, dass eine Überschätzung des Partners/der Partnerin gut für die Beziehung ist: Wer denkt, die/der Richtige sei gefunden, ist ganz klar zufriedener.

Positivität gegenüber der Beziehung

Wichtig dabei ist, die Partnerin/den Partner positiver wahrzunehmen, als diese/dieser sich selbst und als ihre Umgebung sie/ihn sieht. Vielleicht hat sie/er nicht den Körperbau einer Leichtathletin/eines Leichtathleten, aber dafür ein weitaus gewinnenderes Lächeln. Bestärke deine Liebe in ihren Vorzügen und stell diese auch heraus! Beim Kennenlernen einer potenziellen Partnerin/eines potenziellen Partners bedeutet das, sich auf ihre/seine positiven Eigenschaften zu konzentrieren und der Versuchung zu widerstehen, sich sofort auf Fehler zu stürzen, die man womöglich bei vorherigen Parterinnen/Partnern bemerkt hat oder die man bei sich selbst vermutet. Nach der eigentlichen Kennenlernphase sollte man versuchen, sich die positiven Aspekte immer wieder vor Augen zu führen und die negativen ganz bewusst herunterzuspielen. Deine Partnerin/dein Partner wird es dir danken - solange du dabei nicht unrealistisch wirst. Zum Problem kann diese Taktik bei einem Gegenüber mit geringem Selbstwertgefühl werden, denn die Betreffende/der Betreffende glaubt dir die rosarote Brille vermutlich nicht und fühlt sich rasch überschätzt oder nicht ernst genommen.

Ist die Brille rosarot - oder rabenschwarz?

Wie du testen kannst, ob dein positiver Blick noch stimmt: Ruf dir in Erinnerung, wie es war, als du deine Liebe kennengelernt hast. Sind deine Erinnerungen positiv - oder bewertest du im Nachhinein diese Erfahrungen als negativ? Fallen dir zuerst die Schmetterlinge ein, die in deinem Bauch erste Flugversuche starteten, oder kommt dir zunächst die Diskussion über die Höhe des Trinkgeldes nach dem gemeinsamen Abendessen in den Sinn? Paare, die in Studien ihre Kennenlern-Erinnerungen negativ bewerteten, hatten bereits erste Trennungsgedanken. Dagegen unterschätzen die glücklichen Paare häufig die Probleme, die zu einer Trennung führen könnten. Es gibt also neben der rosaroten Brille genauso eine schwarze Brille. Bis zu einem gewissen Punkt kannst du selbst entscheiden, mit welcher von beiden du dein Gegenüber sehen willst. Beide liefern kein wirklichkeitsgetreues Abbild der Welt, sondern nur deine eigene subjektive Wahrnehmung. Du solltest dich aber auch nicht selbst belügen, deshalb halte deine Ansprüche schön hoch!

Ansprüche auf die Beziehung richten statt auf die Partnerin/den Partner

Nur wer weiß, was er oder sie will, kann gezielt danach suchen. Überleg dir also genau, worauf es dir in einer Partnerschaft ankommt, und schraub deine Ansprüche dabei nicht zurück. Hohe Ansprüche an eine Beziehung sind gut und motivierend. Jetzt gilt es, eine Partnerin/einen Partner zu finden, mit der/dem sich genau diese Ansprüche erfüllen lassen. Je früher du deine Ansprüche an eine Beziehung formulierst, umso eher kann deine neue Bekanntschaft sich mit diesen auseinander setzen - und gegebenenfalls auch den Rückzug antreten. Allerdings musst du deutlich formulieren, dass du deine Liebe nicht so formen und hinbiegen möchtest, dass sie deinen Ansprüchen gerecht wird, sondern dass du eine Partnerin/einen Partner suchst, die/der mit dir gemeinsam diese Ansprüche an eine Beziehung umsetzt.

Zwei in einem Boot

Ein Beispiel: Du wünscht dir eine Partnerin/einen Partner, die/der mit dir viele Dinge gemeinsam unternimmt. Du schwimmst gerne - also such gezielt nach jemandem mit dem Hobby Schwimmen. Wenn du aber stattdessen den Schwerpunkt auf gemeinsame Aktivitäten setzen, lass offen, ob du sich nicht vielleicht durch eine neue Liebe von deren Hobby anstecken lässt, das dir sonst gar nicht in den Sinn gekommen wäre ... Was sich wie Haarspalterei anhört, sind zwei völlig unterschiedliche Ansätze: Wer seine Partnerin/seinen Partner respektiert, wird sie/ihn nicht verändern wollen. Wer aber an seiner Beziehung arbeiten möchte, der holt dazu seine Liebe mit ins Boot, und beide ändern gemeinsam, was ihrer Meinung nach an der Beziehung zu verbessern wäre.

Eric Hegmann/gayParship

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